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Die von
Linné »Aloe Vera« oder wahre Aloe genannte und beschriebene Pflanze,
die »Aloe Barbadensis« oder »Barbados-Aloe«, die vom englischen Botaniker
Miller geschildert wurde sowie die »Aloe vulgaris« oder Gemeine Aloe Lamarcks
sind ein - und dieselbe Pflanze. Der offizielle botanische Name ist »Aloe
Barbadensis Miller«, während »Aloe Vera« die gebräuchlichere
Bezeichnung ist, die wir auch hier verwenden.
Das Problem des Namens kompliziert sich noch durch die Tatsache, dass Miller eine Aloe-Art beschrieben und mit dem Namen »Aloe Vera« versehen hat, die nichts mit der von Linné gemein hat und offenbar auch keine der heilkräftigen Eigenschaften der vom schwedischen Botaniker beschriebenen Pflanze besitzt.
So kam es zu Namensverwechslungen und endlosen Streitigkeiten unter Experten. Im Anbau erreicht die von Linné beschriebene Aloe Vera (oder auch die Aloe barbadensis) eine Höhe von 60 bis 90 Zentimetern. Ihre zwischen 40 und 50 Zentimeter langen, blaßgrünen, mit hornigen Randstacheln versehenen Blätter sind an ihrem Ansatz 6 bis 10 Zentimeter breit. Wildwachsend ist sie nicht ganz so groß, obwohl sich ihre Größe je nach Wachstumsgebiet und Bodenbeschaffenheit ändert.
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Die Blätter der Aloe sind mit einer Cuticula*, einer schützenden Hautschicht bedeckt, deren Stomate* Luft und Regenwasser filtern. Unter dieser dünnen Membran befindet sich die Epidermis*, gefolgt vom äußeren Parenchym, das Kalziumoxalatkristalle und die perizyklischen Zellen des bitteren, gelblich-rötlichen Saftes (Aloin) mit leicht abführender Eigenschaft enthält, der als das »Blut« der Aloe bezeichnet wird. Unter dieser dreifachen pflanzlichen Schutzschicht verbirgt sich das innere Parenchym, das schleimige Markgewebe, aus dem das begehrte farblose Gel* der Pflanze gewonnen wird. (Die Qualität dieses Gels hängt in starkem Maß von der Bodenbeschaffenheit und den klimatischen Bedingungen der Anbaugebiete ab.)
Aloe, was ist das?
Die Botaniker nennen sie eine phanerogame*, angiosperme* Pflanze aus der Familie der Liliazeen, also ein zur Gattung der Liliengewächse gehörende Fettpflanze (Succulente), zu der auch die Kakteen zählen. Ihr einfacher oder verzweigter Blütenschaft trägt röhrenförmige Blüten in Ähren oder Trauben, deren Farben vom grünlichen Weiß über gelb (Aloe Vera) und orange bis zum leuchtenden Rot reichen. Ihre fleischigen, saftigen, leicht brüchigen, mit Stacheln versehenen Blätter bilden - je nach Art - eine grundständige oder endständige Blattrosette. Das wertvolle Gel im Inneren der Aloeblätter bildet sich in den schwammigen Zellen des Markgewebes, in denen sich das von den Wurzeln und Blättern gefilterte Wasser speichert. Mittels einer komplizierten Alchimie, auch Metabolismus genannt, verwandelt sich das Wasser in das leicht bittere, farblose Gel*, das heute wegen seiner heilkräftigen Eigenschaften so begehrt ist.
Die Aloe pflanzt sich entweder durch Samen fort. das heißt durch natürliche
Bestäubung durch Vögel, Insekten oder durch den Wind, oder aber durch Wurzelschößlinge
(Klone), die um den Fuß herum wachsen und neue Triebe bilden. Die heilkräftigen
Eigenschaften der Aloe sind den verschiedensten Völkern aller Zivilisationen
der Erde von alters her bekannt. Ihr Name stammt aus dem griechischen und
schreibt sich »aloe«; die Araber sagen »alloeh«, die Chinesen »alo-hei«.
Allerdings darf die Aloe nicht mit der Agave verwechselt werden, eine ähnlich
aussehenden Pflanze, die aber in der Botanik der Familie der Amaryllidazeen,
d.h. der Narzissengewächse, zugeordnet wird. Bisher sind auf der ganzen
Welt etwa 300 Aloe-Arten offiziell verzeichnet, aber jedes Jahr werden neue
entdeckt. Zu den kleinsten gehört die nur ein paar Zentimeter große Gesteins-Aloe
ohne Stiel, während die größte unter ihnen, die baumähnliche »Aloe arborescens«,
meterhoch wird. Aber nicht alle Arten besitzen kräftigende Eigenschaften.
Die in der Medizin bekanntesten und gebräuchlichsten sind die Aloe Vera,
die Aloe der südjemenitischen Insel Socotra im Indischen Ozean (Aloe socotrina),
die Kap-Aloe (Aloe capensis), die Seifen-Aloe (Aloe saponaria), die China-Aloe
(Aloe sinensis), die baumartige Aloe (Aloe arborescens), die Natal-Aloe
und die vom Botaniker Miller entdeckte Aloe ferox mit scharfen Randstacheln.
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Die Aloe ist wildwachsend in den meisten tropischen oder subtropischen Gebieten
zu finden. Einige Arten werden zur Seilherstellung verwendet und lieferten
bis zum Aufkommen der Kunstfasern ein natürliches, unverwesliches Rohmaterial
zur Herstellung von Tauen und Seilen für die Schiffahrt. Noch heute wird
der aus den Fasern der Aloe-Blätter hergestellte Hanf in verschiedenen Teilen
der Welt zu Matten und hochwiderstandsfähigen Geweben verarbeitet. Aloe
ferox und Aloe saponaria sind in Japan sehr gefragt. Für die Aloe arborescens
interessieren sich die russischen Forscher am meisten. Die in Rhodesien
heimische, baumartige Aloe excelsa wird über zehn Meter hoch.
Der begehrteste Bestandteil ist jedoch das schleimhaltige Pflanzenmark einer
bestimmten Aloe-Art, der Aloe barbadensis Miller oder Aloe Vera
Linné, das aus den langen, fleischigen, mit Stacheln bewehrten
Blättern gewonnen und sowohl in der Kosmetikindustrie als auch zur Stärkung
des gesamten Organismus verwendet wird.
EIN KLEINES EXPERIMENT
Folgendes Experiment, das die erstaunlichste Regenerationsfähigkeit der
Aloe demonstrieren soll, wird auch Sie überzeugen... falls Sie eine Aloe
besitzen: Schneiden Sie ein Blatte einer gesunden Aloe Vera am unteren Ende
ab und Sie werden sehen, wie überraschend schnell die Pflanze sich selbst
heilt. Zuerst sickert aus der Schnittstelle etwas Saft, der sich schon nach
ein paar Minuten verfestigt und in eine neue Haut verwandelt. Die Schnittwunde
ist in kürzester Zeit verheilt. Machen Sie das gleiche Experiment mit einem
abgeschnittenen Blatt, das zehn Tage, unter Lichtausschluss, bei 2 bis 3
Grad kühl aufbewahrt wurde. Sie werden sehen, daß das im Dunkeln gelagerte
Blatt die gleiche erstaunliche Regenerationsfähigkeit besitzt wie die frische
Aloe. Eine ausgegrabene und in der Sonnenhitze liegengelassene Pflanze bewahrt
ihre Lebenskräfte über Wochen hinaus.
DIE ALOE WIRD ÜBERALL AUF DER WELT VERWENDET
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Die Aloe hat sich zu Recht auf allen fünf Kontinenten
ihren Ruf als Heil- und Wunderpflanze erworben. In Europa begnügte man sich
lange damit, den gelben, bitteren Saft getrocknet und in Puder verwandelt
als Bitterstoff*, Purgativum* oder Wurmmittel zu verwenden, denn man konnte
das aus dem Pflanzenschleim gewonnene, frische, wirksame Gel nicht haltbar
machen.
Als Saft wirken sie stärkend und belebend und ergänzen die tägliche
Ernährung. Viele Sportler trinken den Aloe-Saft als natürliche
Stimulanz, ohne dabei Gefahr zu laufen, des Dopings beschuldigt zu werden.
Frauen benutzen das Gel für Schönheitsmasken, in Verjüngungscremes,
in Haarwaschmitteln und in Haarwasser.
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